Cargo Souterrain: „Mit Agilität überwinden wir die Komplexität der Energieversorgung“

Cargo Sous Terrain (CST) ist ein komplettes, weitgehend unterirdisches Logistiksystemprojekt für den flexiblen und automatisierten  Transport von Kleingütern zwischen verschiedenen Schweizer Städten:

  • Unterirdische Galerien verbinden Sortierzentren mit Distributionszentren im Zentrum von Städten,
  • An der Oberfläche liefert und vertreibt CST mit umweltfreundlichen Transportmitteln zu und von seinen Drehkreuzen.

Interview mit Thomas Lobsiger, Gruppenleiter BSA (Betriebssicherheit und Ausrüstung) bei DMD.

Damit trägt das Projekt dazu bei, den Straßenverkehr und die Lärmemissionen zu reduzieren. Ab 2031 verbindet der erste Abschnitt die Region Härkingen-Niederbipp mit Zürich. Das Netz wird bis 2045 auf nationaler Ebene auf einer Ost-West-Achse ausgebaut. Der für den Betrieb des Systems benötigte Strom muss zu 100% aus erneuerbaren Energien stammen.

ACP : CST ist ein innovatives Projekt, das in seiner Art auf globaler Ebene einzigartig ist.  Welche Rolle spielt BG in diesem Abenteuer?

TL : BG ist auf mehr als eine Weise involviert. Zum einen wurde die BG Gruppe im Dezember 2021 Aktionärin der CST SA. Und auf der anderen Seite greifen wir operativ in das Projekt ein.  Aktuell beschäftigen wir uns mit der  Suche nach Lösungen für das Energiemanagement, die Produktion und Beschaffung der Infrastruktur. Wir wurden beauftragt, eine Analyse durchzuführen, die  eine geringe Volatilität der Energiepreise  über die gesamte Lebensdauer des Betriebs gewährleistet.    Weitere Projektpartner sind BKW und IWB (Energieversorgungsunternehmen) und Siemens, ein Technologieanbieter.

ACP : Aber wie können wir wirklich Energiepreise auf so langen Zeitskalen garantieren?  Wir sprechen über einen ersten Abschnitt, der in 10 Jahren eröffnet werden würde, und die Infrastruktur wird mehrere Jahrzehnte in Betrieb sein.

TL : Es stimmt, dass die Aufgabe sehr komplex ist, wenn wir den Einfluss mehrerer Faktoren sehen, die nicht kontrolliert werden können und die das System einschränken: Geopolitik,  Klimawandel, die Entwicklung  von Anreizpolitiken für erneuerbare Energien, die Entwicklung der Elektromobilität.  Umgekehrt  tragen Energieeffizienz und ganz allgemein Energieeffizienz, auch wenn Verhaltensänderungen lang sind, dazu bei,  die Spannungen des Systems zu reduzieren.

 

Im Übrigen ist es wie an der Börse, es ist die Ablenkung  des  Energieportfolios,  die die Risiken reduziert.  Nehmen wir an, wir brauchen eine Mischung aus sauberer Produktion und dem Einkauf von Energie auf dem Markt. Dann wird es darum gehen, die technologischen Mixe in der Energieerzeugung und schließlich den geografischen Mix zu berücksichtigen, um auch  Interdependenzen zu begrenzen.   Es ist eigentlich sehr mathematisch.

AC : In diesem Projekt kommen agile Methoden zum Einsatz.  Inwiefern umgehen sie die Komplexität des Problems?

Nicht sicher, ob sie die Komplexität des Problems umgehen können. Vor allem aber setzen sie einen Rahmen für die Arbeit, auch ein Tempo. Jeder Sprint, der hier 15 Tage dauert,  zielt darauf ab, sich mit einer bestimmten Frage zu befassen und liefert Antworten, die wiederum auf den Antworten  der vorherigen Sprints aufbauen, auf die verschiedenen Varianten der betrachteten Energiestrategie.   Dies ist zweifellos eine Ad-hoc-Anpassung agiler Methoden, aber wir können deutlich den Fortschritt der Lösung des Problems von Sprint zu Sprint sehen.  Das erfordert viel Flexibilität, Offenheit und Zuhören.

AC : Un letztes persönliches Wort? Was bringen Ihnen dieses Projekt und die eingesetzte agile Methode?

Dieses Projekt und der Austausch zwischen den Projektpartnern sind für mich eine Bereicherung. Dadurch ist es möglich, die Wechselwirkungen im Energiemarkt kennenzulernen. Ich bleibe wachsam gegenüber diesen Themen, die für die Klimatransaktion so grundlegend sind. Die methodische Vorgehensweise mit agilen Methoden entspricht voll und ganz unserer Zeit, die vor allem versucht, schnell Antworten zu geben, um sie später herauszufordern und an die Realität vor Ort anzupassen. Dies ermöglicht es mir, offen für Feedback und Fortschritte zu bleiben.

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