Ein Instrument zur Beurteilung des Anpassungspotenzials von Städten an den Klimawandel

Ist ein bestehender städtischer Raum in der Lage, sich ausreichend an aktuelle und künftige Wetterextreme infolge des Klimawandels anzupassen? Zur Beantwortung dieser Frage hat BG ein Analyseinstrument entwickelt. Dieses bestimmt den Optimierungsbedarf eines städtischen Raums, was die Anpassung an den Klimawandel und an extreme Wetterbedingungen betrifft.

Herausforderungen. Städtische Gebiete sind anfällig für Phänomene wie Hitzeinseln und Überschwemmungen und deshalb langfristig in ihrer Funktion bedroht. Entsprechend sind die zuständigen Gemeinwesen bestrebt, Städte widerstandsfähiger zu gestalten.

Die Lösung besteht darin, unsere undurchlässigen, grauen Städte in sogenannte «blau-grüne» Städte zu verwandeln. Die Farben Blau und Grün stehen dabei für die Integration natürlicher Infrastrukturen in den städtischen Raum, z. B. Wasserelemente oder Dachbegrünungen. Dies ermöglicht ein besseres Regenwassermanagement, die Regulierung des Mikroklimas oder die Entwicklung und Bewahrung von städtischer Flora und Fauna. Gleichzeitig verbessert sich durch die reichere Biodiversität und das frischere Klima die Lebensqualität der Bevölkerung.

Methodik zur Optimierung der Anpassungsfähigkeit eines städtischen Raums

 

Der Bedarf an blau-grüner Infrastruktur sollte aufgrund einer Analyse der bestehenden Verhältnisse geplant werden. Zunächst wird bestimmt, inwieweit ein städtischer Raum klimatischen Extremereignissen bereits zu widerstehen vermag. Danach wird der angestrebte Soll-Zustand festgelegt. Dieser entspricht den optimalen Bedingungen, die ein städtischer Raum erfüllen muss, damit er möglichst anpassungsfähig ist und gleichzeitig die Funktionen einer Stadt wahrnehmen kann. Der Vergleich zwischen dem Ist- und dem Soll-Zustand zeigt, wie nahe der analysierte Raum aktuell beim maximalen Anpassungspotenzial ist.

BG entwickelt im Rahmen dieser Methodik ein Tool als konkrete Entscheidungshilfe

 

Im Rahmen des Masterprojekts der EPFL-Studentin Loé Maire (Plattform für Wasserbau) hat BG Ingenieure Berater ein Tool entwickelt, das es ermöglicht, (1) die bestehende Infrastruktur zu «scannen» und (2) ihren Zustand (in Bezug auf die Anpassungsfähigkeit) im Vergleich zum Soll-Zustand zu bestimmen, womit (3) das hinsichtlich Anpassungsfähigkeit vorhandene Optimierungspotenzial quantifiziert und beschrieben werden kann. Auf der Grundlage dieses Endergebnisses wird ein (4) Aktionsplan erstellt. BG stimmt diesen Plan individuell auf die Klimastrategien der involvierten Gemeinwesen und der Immobilienplanung ab.

Die Analyse basiert auf drei Hauptthemen: Regenwassermanagement, Erweiterung und Erhalt der Biodiversität und Stadtklima. Für die Themenbereiche wurden insgesamt neun Indikatoren festgelegt. Die Ergebnisse für die Indikatoren werden mit einem Farbcode dargestellt und auf einer Skala veranschaulicht. So können die Themen mit Anpassungspotenzial leicht identifiziert werden. Die Ergebnisse sind damit einfach kommunizierbar und für alle Zielgruppen verständlich (Politik, Bevölkerung, Ingenieur/innen usw.).​​​​​​​

Zusätzlich wurde ein umfassender Katalog mit konkreten Massnahmen erstellt, die eine Optimierung der bestehenden Infrastruktur und die Integration von blau-grünen Elementen ermöglichen. Nach der Diagnose mithilfe des entwickelten Tools schlägt der Katalog den Nutzer/innen bauliche Lösungen vor, die den ermittelten Optimierungsbedarf abdecken.

Ergebnisse für zwei Indikatoren zum Wassermanagement, einen Indikator zur Biodiversität und einen Indikator zum Stadtklima. Die grüne Farbe der Skala steht für das Ergebnis, das dem Soll-Zustand am nächsten kommt.

Fallstudie Campus EPFL

 

Um zu testen, ob die Indikatoren geeignet sind, und zur Validierung der Skala musste das Instrument auf einen Pilotfall angewendet werden. Dieser Test wurde in drei Bereichen auf dem Campus der EPFL durchgeführt, die sich in Bezug auf Besucherfrequenz und Infrastruktur stark voneinander unterscheiden:

  • Ein Bereich mit hoher Besucherfrequenz und relativ langer Aufenthaltszeit
  • Ein Bereich mit hoher Besucherfrequenz und relativ kurzer Aufenthaltszeit
  • Ein Bereich mit sehr geringer Besucherfrequenz.

Auf der Basis der Ergebnisse dieser neu entwickelten Methode konnten für die analysierten Räume Prioritäten beim Anpassungsbedarf an den Klimawandel gesetzt und Empfehlungen für konstruktive Massnahmen zur Optimierung der aktuellen Situation abgegeben werden. Zu erwähnen sind insbesondere Verbesserungen bei den Systemen zum Auffangen und Speichern von Regenwasser, bei der Vernetzung von Grünflächen und bei den überwiegend grauen Dächern.

Welche Etappe kommt als nächstes? Das «Team Blau-Grün» ist auf der Suche nach einem neuen Pilotfall oder Projekt, anhand dessen es die Methodik weiter ausfeilen kann.

Haben Sie Ideen für Pilotprojekte? Dann nehmen Sie mit uns Kontakt auf!

sabine.chamoun@bg-21.com ; khalid.essyad@bg-21.com

Künstlich beschattete Plätze unter dem Rolex Learning Center – ©Loé Maire

Mit Kies bedeckte Flachdächer mit Solarpanels an der EPFL – ©Loé Maire

Begrünte Terrassen auf dem Campus der EPFL – ©Sabine Chamoun

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