Die «ancienne papeterie» – ein vorbildlilches Öko-Quartier in Marly

Die Gemeinde Marly stellt ein ehrgeiziges, innovatives Projekt vor: den Bau eines Öko-Quartiers, das alle Kriterien eines vorbildlichen Umweltkonzepts erfüllt, genannt SEED®. Das Ziel? Jeder Bewohner sollte nicht mehr verbrauchen, als ihm der Planet Erde auf Dauer bieten kann. BG bietet seine Unterstützung bei der Umsetzung des SEED®-Prozesses an und stellt dem Auftraggeber seine Expertise im Bereich der nachhaltigen Entwicklung und speziell der Energie zur Verfügung. Eine Premiere für den Kanton Freiburg.

Eine Stadt in der Stadt. So könnte man das neue Öko-Quartier «Ancienne Papeterie» in Marly beschreiben, das im Kanton Freiburg gerade aufblüht. Aber eine Stadt, die anders ist als alle anderen. In der Tat folgt dieses hochinnovative Projekt einem vorbildlichen Umweltansatz namens SEED®, zuvor «One Planet Living® OPL», der darauf abzielt, dass jeder Bewohner nicht mehr verbraucht, als ihm ein und nur ein Planet Erde auf Dauer bieten kann. «Zum Vergleich: Der Verbrauch an natürlichen Ressourcen in den europäischen Ländern ist etwa dreimal so hoch wie das, was unsere Erde bereitstellen kann», erklärt Mario Germano, Leiter des BG Leiter der Einheit Gebäude, Energie und Raumplanung. Dieser Ansatz ist auch mit der 2000-Watt-Gesellschaft voll kompatibel. Erwähnenswert ist, dass Marly eines der ersten drei Quartiere in der Schweiz ist, die sich mit dem SEED®-Label schmücken dürfen, wobei zwei dieser drei Projekte von BG gesteuert wurden.»

Die Gemeinde Marly, die zum Ballungsraum Freiburg gehört, wurde bereits im Jahr 2013 zur Cité de l‘énergie ernannt. Sie richtete kürzlich ihren lokalen Stadtbauplan nach den Hauptprinzipien der nachhaltigen Entwicklung aus und legte in ihren kommunalen Stadtplanungsvorschriften die Verpflichtung zum Nachhaltigkeits-Label für Stadtteile ab einer bestimmten Grösse fest. Die «Ancienne Papeterie» ist ein Teil dieses Ansatzes.Das neue Öko-Quartier wird zunächst 360 Wohnungen für 800 Einwohner bereitstellen, 126 Arbeitsplätze am Ufer des Flusses Gérine im Viertel «Ancienne Papeterie», neben dem ehemaligen Industriegelände von Ilford, schaffen und eine geschätzte Investition von 150 Millionen Franken umfassen. Ein neues Gesicht für Marly. Etwa 25% der Bevölkerung werden dort Platz und einen Mehrwert an Lebensqualität finden. «Im Fall von Marly sieht das Projekt leistungsstarke Energielösungen vor, die es ermöglichen, die SEED® – Energieziele schon in der ersten Phase zu erreichen», erklärt Mario Germano. Die Fertigstellung des Projekts ist für 2021 geplant. Um eine konsequente und reibungslose Umsetzung zu gewährleisten, braucht dieses ambitionierte Projekt breite und spezialisierte Kompetenzen. Deshalb wandte sich der Auftraggeber zur Unterstützung seines Vorhabens an BG.

Zunächst hilft BG bei der Umsetzung des SEED®-Prozesses durch die Koordination der verschiedenen Auftragnehmer und Beteiligten. Dazu gehören die Erstellung der Wärmebilanz einschliesslich aller Behördengänge, die Beratung über Baumaterialien, die den OPL-Anforderungen entsprechen, die Berechnung des Energiebedarfs zur Erfüllung eben dieser Anforderungen, die Entwicklung technischer Lösungen, die Beratung des Architekten, die Bauleitung oder die Überwachung der Ausführung.

BG ist auch mit einem bauphysikalischen und energetischen Auftrag betraut und muss sicherstellen, dass Grundsatz 01 «Null CO2» und Grundsatz 10 «Lebensqualität und Wohlbefinden» des SEED®-Ansatzes erfüllt oder übertroffen werden. Es geht unter anderem darum, zu gewährleisten, dass der Primärenergieverbrauch und die CO2-Emissionen pro Person, die in der dreiseitigen Vereinbarung zwischen dem Projektträger der Gemeinde Marly und dem SEED®-Aus-schuss festgelegten Grenzwerte, nicht überschreiten.

Die Wärmeversorgung für Heizung und Warmwasser wird über ein Fernwärmenetz erfolgen. Die Wärmezentrale wird auf dem Gelände selbst errichtet und kann folgende Vorteile nutzen:

  • Wasser-Wasser-Wärmepumpen, die Wasser aus dem Greyerzersee als Energiespeicher nutzen
  • Anschluss an das Fernwärmenetz des Grossraums Freiburg. Diese Fernwärme wird hauptsächlich von der Müllverbrennungsanlage Saidef sowie von verschiedenen dezentralen Kraftwerken entlang des Netzes geliefert
  • Ein oder zwei Gasheizkessel (für Spitzenbedarf und Redundanz)

Der Bau der Produktionsanlagen wird entsprechend der Entwicklung der Nachfrage gestaffelt. Das Öko-Quartier wird zu 90% mit erneuerbarer Wärme versorgt, sobald der Bau abgeschlossen ist. «Das Ziel eines solchen nachhaltigen Quartiers ist, dass es die Bedürfnisse von heute erfüllt, ohne die der zukünftigen Generationen zu gefährden», erklärt Mario Germano. «Es geht also darum, die Ressourcen, ob Energie oder Material, so zu verwalten, dass sie auf lange Sicht erhalten bleiben.»

Der Ansatz muss allum-fassend sein. Ermöglicht wird dies durch die multidisziplinären Kompetenzen, die in der BG-Gruppe vorhanden sind. In diesem Fall umfasst er Analysen zu folgenden Bereichen: Reduzierung der Treibhausgasemissionen, Entwicklung nachhaltiger Transportmittel, Verwendung lokaler und nachhaltiger Materialien, Förderung lokaler und nachhaltiger Lebensmittel, nachhaltiges Wassermanagement, Erhaltung der biologischen Vielfalt und natürlicher Lebensräume unter Berücksichtigung des Kulturerbes der Region, Gerechtigkeit und lokale Partnerschaften sowie eine hohe Lebensqualität für die Einwohner.

Aber warum ein solches Quartier labeln? «Das Label wird es ermöglichen, die Ziele während aller Bauphasen und in allen Etappen der Entwicklung des Stadtviertels zu überwachen», antwortet Mario Germano. «Das Label oder besser die «Bezeichnung» wird nicht ein für alle Mal erworben, sondern erfordert die Überprüfung der Ziele während der gesamten Lebensdauer des Quartiers». Eine vorbildliche «kontinuierliche Qualitätskontrolle».

BILDER: ©Magizan & CCHE
(Artikel aus dem BG Magazine 2021, aktualisierte Version auf der Website)
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