Mobility-as-a-Service: ein neues, kundenzentriertes Mobilitätskonzept für Smart Cities

Vor dem Hintergrund der aktuellen Umweltbelastung versuchen immer mehr Städte, den Individualverkehr einzuschränken. In Frankreich gehen beispielsweise 70 % der CO2-Emissionen sowie 17 % der jährlichen Todesfälle auf den Verkehrssektor zurück (Statistik der französischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, Umweltschutz und Arbeitsschutz Anses, 2016). Viele Städte sind daher bestrebt, das Verkehrsangebot durch eine nachhaltige Stadtpolitik auszubauen und Alternativen zum Auto zu schaffen. In diesem Zusammenhang nimmt auch die Diskussion über Mobility-as-a-Service (MaaS) Fahrt auf.

MaaS: vereinfachtes Angebot und bessere Nutzererfahrung zur Förderung des öffentlichen Verkehrs

Angesichts der Vielzahl an Zahlungsmöglichkeiten und unterschiedlichen Billetten sowie mangels einer globalen Vision des Verkehrsangebots (Bus, Tram, Velo, Zug, Taxi etc.) verlieren die Nutzerinnen und Nutzer nicht selten den Überblick. MaaS zielt daher darauf ab, die Nutzererfahrung zu verbessern. Konkret bedeutet dies, dass möglichst viele Mobilitätsangebote in einem einzigen Tool zusammengefasst werden. Zu den grundlegenden Funktionen einer MaaS-App gehören:

  • die Geolokalisierung des Nutzers oder der Nutzerin, um in Echtzeit das verfügbare Mobilitätsangebot inklusive Standorte, Fahrpläne und Tarife zu ermitteln;
  • ein Routenplaner, der die verschiedenen Verkehrsmittel und individuellen Abonnemente berücksichtigt;
  • eine Zusammenführung der unterschiedlichen Verkehrsmittel in einem einzigen Abonnement und der Kauf von Billetten direkt über die App oder durch kontaktloses Bezahlen.

Eine individuell auf jede Stadt abgestimmte Lösung

Zusätzlich zu den grundlegenden Funktionen der App passt jedes Verkehrsunternehmen seine Angebote an die jeweilige Region an. So können die verfügbaren Verkehrsmittel (Mietvelo, Taxi, Seilbahn, Zug, Schiff etc.) ebenso wie die Dienstleistungen und Angebote (verbrauchsabhängige Abrechnung, auf den individuellen Bedarf abgestimmte Abonnemente, Parkplatzreservation etc.) von Stadt zu Stadt variieren.

Zudem spielt MaaS eine wichtige Rolle bei der Umweltpolitik, denn durch die kombinierte Nutzung verschiedener Verkehrsmittel entstehen weniger Treibhausgasemissionen. Auch auf die Wirtschaft hat das multimodale Verkehrsangebot einen positiven Einfluss, da die Verkehrsströme optimiert und die Ausgaben vereinheitlicht werden. Und als wichtiges Mittel für eine bessere Erschliessung bestimmter Regionen und zur Förderung der gesellschaftlichen Integration trägt MaaS nicht zuletzt auch auf sozialer Ebene zu einer Verbesserung bei.

Konkrete Beispiele

  • 2012 startete die Stadt Wien mit der Mobilitätsplattform SMILE ihr erstes MaaS-Projekt. Das durch hohe öffentliche Investitionen gestützte Tool ermöglichte Zugang zu Informationen über sämtliche Verkehrsdienste sowie die Reservation und den Kauf von Billetten. Das Ergebnis: 26 % der Nutzerinnen und Nutzer von SMILE nutzten häufiger öffentliche Verkehrsmittel als zuvor. Nach der erfolgreichen Pilotphase wurde SMILE 2017 schliesslich durch die Mobilitäts-App WienMobil ersetzt. Sie verwendet Open Data, um die Schnittstellen für den Datenaustausch mit den Verkehrsunternehmen zu verwalten. Hinsichtlich der Regulierung und der Kontrolle der Daten betonen lokale Akteure, dass die staatliche Monopolstellung diesbezüglich von grosser Bedeutung sei.
  • In Helsinki wird das MaaS-Angebot von einem privaten Betreiber verwaltet. Die App des finnischen Start-ups Whim bietet – neben Echtzeit-Informationen über die unterschiedlichen Verkehrsangebote und der Möglichkeit, Billette zu kaufen – verschiedene unverbindliche Abonnemente. So zahlen Nutzerinnen und Nutzer nur für jene Dienste, die sie tatsächlich in Anspruch nehmen. Das Basisabo für 49 Euro pro Monat umfasst beispielsweise neben der unbegrenzten Nutzung von ÖV und Velos auch 10 Euro für Taxifahrten.
  • Hannover entwickelte mit seinem Mobilitätsshop ein nutzungsabhängiges Tarifsystem. So konnten Gelegenheitsnutzerinnen und -nutzer einzelne Fahrten im Mobilitätsmix flexibel zusammenstellen, und es gab ein Abo-Paket für nur 9.95 Euro. Am Ende des Monats wurden alle Fahrten über eine Sammelrechnung verbucht.
  • In Frankreich ist bisher keine der verfügbaren Plattformen einstimmig als MaaS-Service anerkannt. Einige sind jedoch auf gutem Weg dahin, so etwa die App Compte Mobilité im elsässischen Mulhouse. Sie umfasst fünf Verkehrsbetriebe, deren Angebote über ein einziges Konto genutzt werden können. Bisher können über die App mit einem flexiblen Tarifsystem Bus- und Trambillette gekauft, Parkplätze reserviert und Velos gemietet werden. Ziel ist, künftig auch die Regionalzüge in die Plattform zu integrieren. Die Stadt Annemasse zeichnet sich hingegen durch ihr grenzüberschreitendes MaaS-System aus: Es verknüpft Echtzeit-Informationen und das ÖV-Angebot der eigenen Agglomeration mit jenen des Grossraums Genf. Dies betrifft insbesondere die Züge, soll jedoch künftig auf Mietvelos ausgeweitet werden.
  • In anderen Städten wie London und Zürich versuchen private Unternehmen, die Angebote und Funktionen der traditionellen Betreiber zu ergänzen. Citymapper bietet beispielsweise Abos des Betreibers Transport for London zu vergünstigten Preisen an, während Yumuv die Daten von ZüriMobil nutzt und sie durch Daten aus Bern und Basel ergänzt. Diese Modelle sind jedoch finanziell nicht unbedingt rentabel, weshalb sich die Frage nach ihrem unternehmerischen Interesse stellt.

Einschätzung des Kompetenzzentrums Smart City

MaaS soll Nutzerinnen und Nutzern ein genau auf ihren Bedarf abgestimmtes Angebot bieten. Die Idee besteht darin, über ein einziges Abonnement Angebote des öffentlichen Verkehrs mit Angeboten des Individualverkehrs (Mietvelos, Carsharing) zu kombinieren und multimodale Routen zusammenzustellen. Hinzu kommen eventuell auch Reservierungsmöglichkeiten für Parkplätze.

MaaS wird ganz individuell an jede Region angepasst und ist ein wesentlicher Bestandteil intelligenter geografischer Vernetzung. Ein «intelligentes» Mobilitätsangebot kann auch über die Grenzen der einzelnen Gemeinden hinausgehen und mit den umliegenden Regionen einen Verbund bilden.

Die Verknüpfung öffentlicher und privater Betreiber dauert eine gewisse Zeit, ist meist schwierig umzusetzen und erfordert finanzielle Investitionen. Doch die Vorteile von MaaS-Angeboten sind höhere Lebensqualität, bessere Luftqualität und nachhaltige Entwicklung.