Ausgehoben, sortiert und wiederverwertet

In Frankreich wurden die rechtlichen Bestimmungen so angepasst, dass Aushubmaterial, das bisher als Abfall galt, nun wiederverwertet werden kann. Sortieren, behandeln und wiederverwerten von Abraum- und Aushubmaterial ermöglicht nicht nur, Rohstoffe einzusparen, sondern auch, damit verbundene Transporte zu reduzieren und Kosten zu senken. Mit Blick auf eine bessere und sichere Nutzung dieser natürlichen Ressourcen hat sich BG in Frankreich an der Kartierung von Bodenparzellen in den Regionen Île-de-France und Normandie beteiligt, um vom Abtrag mit endgültiger Entsorgung wegzukommen und stattdessen die Wiederverwertung und neue Nutzung des Materials anzustreben.

Die Verwertung der natürlichen Ressourcen von Baustellen befindet sich an einem Wendepunkt. Mineralisches Aushub- und Ausbruchmaterial (siehe Seite 23) oder etwa abgetragener Boden aus einer Industriebrache werden nicht mehr als Abfall, sondern mehr und mehr als Rohstoffe betrachtet. Dieser Paradigmenwechsel dient sowohl ökologischen als auch wirtschaftlichen Zielen.

Neue Lösungen erwägen, um die Entsorgung von Aushubmaterial zu vermeiden

Nathalie Monin, betont die proaktive Haltung der Ingenieurinnen und Ingenieuren der Gruppe: „Dank der Analyse des Materials aus einem Rückbau oder einem Aushub kann eine mögliche Verwertung ins Auge gefasst werden, um den Stoffen ein zweites Leben zu geben. In Zusammenarbeit mit den Nutzern (Betreiber von Deponien, Kiesgruben oder Ze mentwerken), aber auch mit den Behörden, um die nötigen rechtlichen Anpassungen zu begleiten, fehlt es un seren Ingenieurinnen und Ingenieuren in diesem Bereich nie an Tatendrang.“

Angestossen durch gesetzliche Umweltschutzvorschriften muss eine bessere Bewirtschaftung der vorhandenen Ressourcen auf Baustellen zur Selbstverständlichkeit werden. Die BG-Gruppe hat nicht auf diese Entwicklungen gewartet, um ihr Know-how in der Verwertung von Aushubmaterial anzubieten. Wir unterstützen die Verantwortlichen von komplexen Projekten, z.B. bei der städtebaulichen Gestaltung der Flussinsel, die zur Stadt Nantes gehört und die auf eine reiche industrielle Vergangenheit zurückblicken kann. Für die Dutzende Millionen Kubikmeter Aushubmaterial, die bei den grossen Infrastrukturbaustellen wie dem Projekt Lyon–Turin oder dem Grand Paris Express anfallen werden, bieten wir Beratung an und unterbreiten Lösungen. BG ist anerkannt für das Fachwissen in diesem Bereich und hat im Rahmen des französischen Projekts GeoBaPa jüngst an der Kartierung des Bodens in den Regionen Île-de-France und Normandie mitgearbeitet.

Dabei wurden die geochemischen Werte dieser Böden ermittelt, um die Nutzung des anfallenden Bodenaushubs mit Blick auf die Empfängerflächen vorauszudenken und die chemische Kompatibilität zu gewährleisten.

Sichere Wiederverwertung

Bei der Bewirtschaftung und Nutzung von Aushubmaterial ist die Rückverfolgbarkeit des abgetragenen Bodens eine grosse Herausforderung. Für Benoît Maréchal, garantiert dieser Parameter „die optimale und sichere Verwendung des Bodenmaterials.“

Im Rahmen der Neugestaltung von Standorten gibt es zahlreiche technische Möglichkeiten, wie das ausgehobene Bodenmaterial aufgewertet werden kann, um bei Neubauten jegliche Gefahren für die Bevölkerung auszuschliessen. Im Falle von Altlasten im Boden kann das Material einer mehr oder weniger intensiven Aufbereitung unterzogen und ausserhalb der Baustelle verwertet werden, z.B. für Aufschüttungen. „Diese Nutzung ausserhalb der Standorte ist in Frankreich stark reglementiert. Eine spezifische Methodologie muss eingehalten werden. Man muss erklären, woher das Material stammt, wie es sich zusammensetzt, welche Aufbereitung es durchlaufen hat und welche Verwendung es schliesslich findet.“ Ein anderer Ansatz besteht darin, das Aushubmaterial vor Ort zu nutzen, häufig als Unterschicht, nachdem es gesiebt wurde, um die verschiedenen Korngrössen des Bodens (Sand, Kies usw.) voneinander zu trennen.

Die Verwertung dieser natürlichen Ressourcen limitiert deren Entsorgung und reduziert dadurch auch den Materialtransport. Die Kosten für Produktion und Transport des Materials waren bisher geringer als die Kosten, die bei einer Aufbereitung und Verwertung anfallen. „Dank der Umsetzung von Bewirtschaftungsmodellen, welche die Stoffe optimieren, gleichzeitig eine Abnahmestelle für das Aushubmaterial finden und so einen logistischen Kreislauf schaffen, ändert sich dies jedoch gegenwärtig“, bemerkt Benoît Maréchal. Für den promovierten Geologen muss „die Nutzung von Aushubmaterial weiterentwickelt werden, denn darin liegt ein grosses Potenzial“.

(Artikel aus dem BG Magazine 2022, aktualisierte Version auf der Website)

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